Glas und Keramik im (Hand)gepäck: Das müssen Sie wissen

 

 

Glas & Keramik im Handgepäck: Das Wichtigste in Kürze

Glas & Keramik im Handgepäck…ist das erlaubt? Jein. Einerseits gibt es keine spezifische Regel oder EU-Verordnung, welche den Transport von Glas und Keramik im Handgepäck direkt verbieten würde*. Allerdings besagt die EU-Verordnung Nr. 185/2010 unter Anlage 4 C), welche die verbotenen Gegenstände im Handgepäck behandelt, dass stumpfe Gegenstände, welche als Schlagwaffe eingesetzt werden können, im Handgepäck verboten sind.

Nun gibt es wohl in der Tat mehrere Gläser oder auch Keramikwaren, die sich durchaus effizient als Schlagwaffe eignen würden. Doch namentlich werden unter den Beispielen in der Verordnung nur Baseball- und Softballschläger, Knüppel und Schlagstöcke, wie Totschläger, Kampfsportgeräte genannt.

Gehören da Glas- und Keramikwaren auch dazu?

Hmm, sehr wahrscheinlich. Andererseits haben viele Fluggesellschaften auch in den AGBs oft eine Klausel, die den Transport von zerbrechlichen Waren im Handgepäck offiziell einschränkt, beziehungsweise verbietet.

In der Praxis ist es aber so, dass Glas & Keramik im Handgepäck (bis zu einer bestimmten Größe) trotzdem sehr oft toleriert wird. Was bedeutet dies nun also konkret für die Frage, ob Glas und Keramik ins Handgepäck dürfen oder nicht?

Konkret bedeutet dies, dass es im Ermessen des Personals an der Sicherheitskontrolle liegt, ob Sie mit ihren Keramik- und Glaswaren durchkommen oder nicht (das Gleiche gilt übrigens auch für Geschirr & Porzellan, ausgenommen von Messern).

Fazit: Sie sollten nach gesundem Menschenverstand entscheiden, welche Glas & Keramikwaren wohl mitdürfen und welche nicht, beziehungsweise die Risiken abschätzen und dann abwägen, ob Sie es riskieren wollen oder nicht.

Kleinere Gegenstände dürften in der Regel kein Problem darstellen, während es bei großen Glas & Keramikwaren, die offensichtlich als Schlagwaffe verwendet werden können – z. B. Weizenbiergläser oder Maßkrüge – an der Sicherheitskontrolle durchaus Endstation für diese Gegenstände sein könnte.

Wenn man diversen Foren im Internet glauben darf, dann können es aber in manchen Fällen durchaus auch solche Gegenstände mit etwas Glück durch die Sicherheitskontrolle schaffen. Und was den Transport von kleineren Glas & Keramikwaren angeht, so berichten die meisten, dass Sie damit keine Probleme hatten im Handgepäck.

Einen Maßkrug im Handgepäck zu transportieren ist zwar nicht ausdrücklich nach EU-Verordnung verboten, wird aber bei der Sicherheitskontrolle wahrscheinlich zu Problemen führen, da der Krug als stumpfe Schlagwaffe eingestuft werden könnte. Und natürlich müßte der Krug für den Transport leer sein :=)

Die Entscheide können sich natürlich auch je nach Flughafen erheblich voneinander unterscheiden. Am Flughafen Zürich mag man vielleicht Weizenbiergläser und lässt diese mit einem Augenzwinkern passieren, während solche Gläser am Frankfurter Flughafen kein gern gesehener Gast für ins Handgepäck sind.

Eine glasklare Antwort ist in dieser Sache also nicht zu geben. Es bleibt viel mehr festzuhalten: Der Transport von Gläsern und Keramikwaren im Handgepäck ist ein Spiel mit dem Feuer. Und übrigens: Vergessen Sie nicht die Regeln für Flüssigkeiten im Handgepäck zu beachten. Diese gelten hier natürlich auch!

*Streng genommen wird die Mitnahme von solchen Gegenständen im Handgepäck allerdings oft indirekt in den AGBs mit einer Klausel (siehe Beispiele) eingeschränkt, wenn nicht sogar verboten (je nach Auslegung der Klausel).

Erfahrungsberichte im Internet (z. B. auf vielfliegertreff.de) zeigen aber, dass viele Passagiere erfolgreich zerbrechliche Gegenstände im Handgepäck transportieren und dabei offenbar in den meisten Fällen nicht in Schwierigkeiten geraten.

 

Wie sieht es mit Glas & Keramik im Aufgabegepäck aus?

Bild zeigt einen Keramikbehälter auf weißem Hintergrund

Auch Keramikwaren werden von vielen Passagieren im Handgepäck befördert. Meistens mit Erfolg. Generell gilt: Umso größer die Gefäße, desto mehr Probleme erwarten Sie an der Sicherheitskontrolle. Das Gleiche gilt übrigens auch für Glaswaren.

 

Glas & Keramik kann in der Praxis meistens im Aufgabegepäck transportiert werden*. Ein Transport im Aufgabegepäck gestaltet sich in der Regel leichter als im Handgepäck, da Sie mit diesen Waren ja nicht durch die Sicherheitskontrolle marschieren müssen.

Allerdings wird man bei einem Transport im Aufgabegepäck mit dem Problem konfrontiert, dass der sichere Transport an und für sich nicht ganz leicht ist, da Gläser und Keramik leicht zerbrechlich sind und so können die fragilen Gegenstände während der Reise leicht in Brüche gehen könnten…denn böse Zungen behaupten ja immer wieder mal gerne, dass das Personal mit diesen hilflosen, armen Koffern nicht gerade zimperlich umgeht.

Fazit: Wer seine Gläser und die selbst ausgebuddelte Keramik-Vase aus dem 13. Jahrhundert gerne im Aufgabegepäck befördern möchte, der kann dies gerne tun (also das mit der Vase könnte sich wohl doch eher schwierig gestalten), sollte allerdings die werten Stücke so gut wie möglich verpacken und auspolstern. Und da wären wir schon beim nächsten Punkt angelangt.

*Streng genommen wird die Mitnahme von solchen Gegenständen im Aufgabegepäck (auch im Handgepäck) allerdings oft in den AGBs durdch einer Klausel eingeschränkt, wenn nicht sogar verboten (je nach Auslegung der Klausel). Erfahrungsberichte im Internet (z. B. auf vielfliegertreff.de) zeigen aber, dass viele Passagiere erfolgreich zerbrechliche Gegenstände im Aufgabegepäck transportieren und dabei offenbar in den meisten Fällen nicht in Schwierigkeiten geraten.

 

Wie verstaue ich meine Glaswaren & Keramik am besten im Gepäck?

Die Folgendes Tipps eignen sich sowohl für den Transport im Handgepäck wie auch im Aufgabegepäck.

  • Rollen Sie Gläser & Keramik in Küchenrolle oder auch sonstiges Papier ein
  • Alternativ oder zusätzlich eignen sich auch Küchenhandtücherbzw Luftpolsterfolie oder Luftpolsterkissen*
  • Packen Sie das zerbrechliche Gut in die Mitte des Koffers, beziehungsweise lagern Sie sie zwischen Kleidungsstücken. So sind ihre zerbrechlichen Güter noch besser (vor Sturzschäden) geschützt
  • Wer einen geeigneten Transportkarton zur Verfügung hat, kann natürlich die heiklen Waren auch zusätzlich in einen solchen packen und die waren dann mithilfe von Luftpolsterfolie, bzw. mit Luftpolstermatten zusätzlich auspolstern und schützen.

* Generell bietet sich der Einsatz von Luftpolsterfolie eher für runde oder zylinderförmige Glas- & Keramikwaren an, während sich Luftpolsterkissen sehr gut für eckige Glaswaren eignet.

Kleiner Geheimtipp: Falls Sie die Waren im Aufgabegepäck transportieren, versehen Sie Ihren Koffer mit einem „Fragile“-Sticker. Es wird gemunkelt, dass Koffer mit solchen Stickern vom Gepäckpersonal bevorzugt behandelt werden und wenn Sie etwsa Glück haben, dann kommt Ihr Koffer auf dem Fließband bei der Gepäckausagbe auch als Erstes an. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Ob im Handgepäck oder im Aufgabegepäck:

Der Transport von Glas & Keramikwaren im Flugzeug bringt immer einige Risiken mit sich.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte (jedenfalls etwas sicherer), der sollte auch den Postversand seiner hochwertigen Gläser und Keramikwaren in Erwägung ziehen. Der Versand auf dem Postweg hat natürlich den Vorteil, dass Sie Ihre wertvollen Waren vernünftig versichern können.

 

Was tun im Schadensfall?

Sie nehmen an der Gepäckausgabe Ihren Koffer freudig in Empfang und stellen mit Schrecken fest, dass Ihre zwei schönen Weizenbiergläser nun eher einem Scherbenhaufen als einem Trinkbehälter gleichen.

Was nun?

Hätten Sie eine Versicherung abschließen müssen oder ist Ihr Gepäck sowieso schon versichert? Wer haftet in so einem Fall?

Eine nicht leicht zu beantwortende Frage.

Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab. Aber zuerst zu dem, was Sie in einem solchen Fall sofort tun können und auch unbedingt tun sollten.

Melden Sie den Schaden sobald als möglich. Wenn möglich noch am Flughafen und im besten Falle gleich beim Schalter der Fluggesellschaft im Gepäckabgabe-Bereich.

Meistens verfügen die Fluggesellschaften dort (oder in der Nähe) gleich über ein Büro (manchmal z. B. Lost & Found genannt).

Wenn Sie heikle Gegenstände im Aufgabegepäck transportieren, ist es demnach eine sehr gute Idee, Ihren Koffer unverzüglich nach der Entgegennahme auf Mängel und Beschädigungen zu überprüfen.

Die Meldepflich ist gesetzlich auf 7 Tage festgelegt. Generell gilt aber sicher: Umso früher desto besser. Wenn es also etwas zu reklamieren gibt, dann suchen Sie den Schalter bei der Gepäckausgabe auf und füllen Sie gleich dort ein Schadensformular aus.

 

Ist mein (Hand)Gepäck versichert?

Wenn Ihr Gepäckstück während der Reise kaputt geht und zwar zu der Zeit, in welcher sich Ihr Gepäckstück unter der Obhut der Fluggesellschaft befindet, dann haftet die Fluggesellschaft und muss für den Schaden (Reparatur) aufkommen.

Wie sieht es aber mit beschädigtem Gepäckinhalt, insbesondere der Beschädigung ihrer zerbrechlichen Glas- und Keramikware aus? Haftet die Fluggesellschaft für solche Schäden auch? (Aufgabegepäck).

Leider nicht wirklich. Die meisten Fluggesellschaften führen in dieser Sache einen Haftungsausschluß in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf, der mehr oder weniger klar illustriert, dass die Airline für zerbrechliche Güter im Gepäck (sowohl Handgepäck wie auch Aufgabegepäck) nicht haftet. Schauen wir uns dazu am besten ein paar Beispiele an:


EASYJET: Punkt 19.4.11 in den AGBs:

19.4.11 Nicht im Aufgegebenen Gepäck mitführen sollten Sie zerbrechliche oder verderbliche Güter, Geld, Schmuck, Edelmetalle, Silber, Computer, elektronische Geräte, handelbare Papiere, Wertpapiere und sonstige Wertgegenstände, Geschäftsunterlagen, Pässe sowie sonstige Identitätsnachweise und -muster. Wir übernehmen keine Haftung für diese, sofern in Ziffer 16.5.3 (Gepäck, Gepäckbeschädigung) nicht etwas anderes festgelegt ist.

 

SWISS: Punkt 8.3 Nicht als Gepäck zugelassene Gegenstände / 8.3.1 c.

c. Gegenstände, von denen wir nach vernünftigem Ermessen annehmen, dass sie sich nicht zur Beförderung eignen, weil sie gefährlich oder unsicher sind, oder weil sie aufgrund ihres Gewichts, ihrer Grösse, ihrer Form oder ihrer Beschaffenheit nicht befördert werden können, oder weil sie unter anderem angesichts des verwendeten Flugzeugs zu zerbrechlich oder verderblich sind. Angaben zu nicht zugelassenen Gegenständen die wir nicht befördern, erhalten Sie von uns auf Anfrage.

 

CONDORPunkt 9.15

Gegenstände, die wegen ihres Gewichts, ihrer Größe oder ihrer Art sowie aufgrund ihrer Verderblichkeit, Zerbrechlichkeit oder ihrer besonderen Empfindlichkeit gefährlich oder unsicher und daher zur Beförderung ungeeignet sind. Nähere Angaben können Sie bei uns oder unseren bevollmächtigten Agenten erhalten.

Während bei Easyjet der Haftungsausschluß in Sachen zerbrechliche Waren sehr klar formuliert ist, ist dies bei SWISS und CONDOR viel subtiler und schwammiger formuliert. Außerdem ist zu erkennen, dass solche zerbrechlichen Gepäckstücke bei manchen Airlines strenggenommen eigentlich sogar verboten sind (je nachdem wie man diese Klausel genau auslegt!). Das die Fluggesellschaften dann also in diesen Fällen auch nicht für Schäden an solchen fragilen Gegenständen haften, liegt somit auf der Hand.

 

Eine Reisegepäckversicherung abschließen

Wenn Sie den Kofferinhalt an und für sich versichern wollen, dann können Sie eine Reisegepäckversicherung abschließen. Eine Reisegepäckversicherung greift in der Regel auch im Falle von Diebstahl. Allerdings gilt es in diesem Zusammenhang abzuklären, ob Sie nicht bereits über die Hausratsverschierung über eine solche Diebstahlversicherung (auf Urlaubsreisen) verfügen. Lesen Sie unbedingt die AGBs der Reisgepäckversicherung genau durch und studieren Sie ganz genau für was die Versicherung haftet und für was nicht. In vielen Fällen plädieren solche Versicherungen nämlich im Ernstfall auf Fahrlässigkeit des Passagiers und dementsprechend sollte man sich genau darüber informieren, auf was man sich beim Abschluss einer solchen Versicherung genau einlässt, beziehungsweise welche Risiken dadurch genau abgedeckt werden. Reisegepäckversicherungen gibt es in Deutschland beispielsweise von der Allianz oder von ERV.

Lesen Sie sich vielleicht auch noch diesen Artikel von FOCUS durch. Focus strotzt nicht gerade von Begeisterung in Sachen Reisegepäckversicherung, so viel kann ich Ihnen jetzt schon sagen.