Spritzen im Handgepäck: So klappt es mit dem Transport

Bild zeigt eine Hand mit einer gefüllten Spritze

 

Die ewige Frage, was denn nun alles ins Handgepäck darf, stellt sich auch beim Thema „Spritzen im Handgepäck“. Damit Sie nach dem Lesen dieses Beitrags möglichst genau über etwaige Fragen in Bezug auf Spritzen im Handgepäck (Kabine) informiert sind, hier zuerst das Wichtigste in Kürze:

 

Dürfen Spritzen im Handgepäck befördert werden?

Spritzen dürfen im Handgepäck transportiert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Insulinspritzen, Heparinspritzen (Anti-Thrombose-Spritzen) oder andere Spritzen handelt. Sie müssen aber in jedem Falle ein ärztliches Attest mitführen, in welchem die Angabe der Diagnose und der erforderlichen Medikation (und zusätzlich benötigtes Zubehör) ersichtlich sind.

Dieses ärztliche Attest gilt es bei Ihrer Flugreise im Handgepäck mitzuführen und nach Bedarf vorzuzeigen. Vorzugweise führen Sie das Dokument sowohl in Ihrer Muttersprache wie auch als Kopie in englischer Sprache mit.

Eine Begrenzung der Anzahl der Spritzen gibt es dabei nicht. Außerdem gilt für Spritzen im Handgepäck auch die Flüssigkeiten-Regel nicht, denn bei Spritzen ist die Ausnahmeregel für flüssige Medikamente im Handgepäck maßgebend. 

 

Ärztliches Attest: Allgemeine Infos

Ein ärztliches Attest ist für den Transport von Spritzen in jedem Falle notwendig. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Insulinspritzen oder sonstige Spritzen handelt.

Das heißt allerdings nicht zwingend, dass Sie die Bescheinigung an der Sicherheitskontrolle auch wirklich vorzeigen müssen. Aber gehen Sie besser auf Nummer sicher und lassen Sie sich ein solches Attest ausstellen.

 

Ärztliches Attest für Flugreisende mit Diabetes

Falls Sie unter Diabetes leiden, dann empfehlen wir Ihnen, diese Vorlage von „Diabetes Ratgeber“ zu verwenden. Alternativ können Sie hier auch eine praktisch identische Vorlage von der Schweizerischen Diabetes Gesellschaft herunterladen. Sie finden die Vorlage auf der letzten Seite des PDFs.

Schauen Sie sich aber am besten das ganze Dokument an, denn es gibt dort noch reichlich gute Tipps für „Diabetes-Passagiere“ zu entdecken. Dieses Attest für Flugreisende bestätigt, dass Sie auf Insulin angewiesen sind und stellt sicher, dass Sie für die Reise die notwendigen Utensilien für das Messen und Spritzen im Handgepäck mitführen dürfen.

Dieses Dokument muss selbstverständlich zwingend von einem qualifizierten Arzt abgesegnet und unterschrieben werden, um Gültigkeit zu erlangen.

Die Angaben und Informationen in diesem Formular sind zweisprachig Deutsch/Englisch und eignen sich dementsprechend ideal für Ihre Flugreisen, da es sein kann, dass das Sicherheitspersonal der deutschen Sprache nicht mächtig ist und so sind Sie mit Englisch natürlich auf der sicheren Seite.

Die verschiedenen Utensilien für das Messen und Spritzen von Insulin, die in diesem Dokument aufgeführt und angekreuzt werden können, sind:

  • Insulinpen oder Insulinspritzen
  • Insulinpatronen
  • Blutzuckermessgerät
  • Blutzucker-Teststreifen
  • Blutlanzetten mit Stechhilfen
  • Injektionsnadeln
  • Insulinpumpe und Zubehör
  • Glukagonspritze
  • Sensor und Transmitter zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung (CGM)
  • Sensor und Scanner zur Glukoseüberwachung (FGM)
  • Traubenzucker

Zudem besteht auch eine Möglichkeit, unter Sonstiges: noch weitere Angaben zu machen.

 

Weitere Tipps für Flugreisende mit Diabetes

Wenn Sie an Diabetes leiden, dann ist es keine gute Idee, im Aufgabegepäck zu verstauen, denn es kann sein, dass dieses erst mit Verspätung am Reiseziel ankommt. Deswegen ist ein Transport im Handgepäck in jedem Falle zu bevorzugen. Wenn Sie die obenstehenden Tipps dazu beachten, dann sollte dies auch kein Problem darstellen!

Da Flugreisen oft mit einer Zeitverschiebung einhergehen, kann es sein, dass Sie Ihre Insulindosis daran anpassen müssen/sollten. Dies gilt vor allem für Reisen, bei denen im Zielland die Zeitverschiebung mehr als 3-4 Stunden beträgt.

Dabei gilt als Grundregel: Wenn Sie in den Westen fliegen (z. B in die USA oder nach Südamerika), dann wird ihr Reisetag länger. Dementsprechend muss die Dosis des Basisinsulins erhöht werden.

Wenn Sie in den Osten fliegen (z. B. Thailand, Japan), dann muss die Dosis des Basisinsulins reduziert werden. Genauere Informationen dazu können Sie diesem Ratgeber von der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft entnehmen.

Auf der letzten Seite dieses Ratgebers finden Sie dann auch gleich noch ein Dokument für die notwendige Ärztliche Bescheinigung, die Sie als Reisender mit Diabetes auf Flugreisen brauchen.

Besprechen Sie die eben erwähnten Insulinanpassungen in jedem Falle mit ihrem behandelnden Arzt. Ihren Arzt müssen Sie bei einer Flugreise mit Insulin ja ohnehin konsultieren, da Sie ja eben ein medizinisches Attest für den Transport von Insulin und Zubehör benötigen. Dies ist ein guter Zeitpunkt, um auch gleich noch kurz über eine mögliche Anpassung der Insulindosis zu sprechen.

Ein weiterer Tipp im Zusammenhang  mit „Fliegen mit Diabetes“ ist die vorzeitige Bestellung eines Diabetikermenüs für Ihre Flugreise. Setzen Sie sich dazu frühzeitig mit Ihrer Fluggesellschaft in Kontakt.

Sollten Sie noch auf der Suche nach einem passenden Behälter sein für Ihre Diabetiker-Utensilien, dann kann ich Ihnen die Diabetiker-Tasche von Elite Bags empfehlen. Die Tasche ist mit einem praktischen Insulin-Fach ausgestattet und wird außerdem mit einem Gel-Pack geliefertwelches auf der Reise dafür sorgt, dass Ihr Insulin schön kalt bleibt.

 

Ärztliches Attest für den Bedarf an Thrombose-Spritzen / Heparin

Thrombosen-Spritzen können im Handgepäck ebenfalls transportiert werden. Wie für Insulinspritzen wird dafür allerdings zwingend eine ärztliche Bescheinigung benötigt.

Grundsätzlich gelten den Transport von Thrombosen-Spritzen / Heparin genau die gleichen Regeln wie bei Insulinspritzen.Sie müssen also ebenfalls über ein ärztliches Attest verfügen, welches beweist, dass Sie auf diese „Mittel“ angewiesen sind. Als Vorlage für dieses ärztliche Attest können Sie sich die Vorlage www.reisethrombose.at anschauen. Diese Vorlage ist allerdings spezifisch auf Österreich zugeschnitten. Wenn Sie also nicht aus Österreich sind, dann müssen Sie die Vorlage ggfs. etwas anpassen. Sprechen Sie sich am besten mit ihrem behandelnden Arzt ab. Selbstverständlich können wir Ihnen keine Garantie dafür geben, ob Sie diese Vorlage (in dieser Form oder leicht angepasst) auch wirklich verwenden können. Ihr Arzt muss letztendlich entscheiden, wie das Formular genau aussehen muss.

 

Wo und wie transportieren Sie die Spritzen am besten?

Für flüssige Medikamente (auch bei Spritzen), die während des Fluges zwingend benötigt werden, entfällt die Regel für Flüssigkeiten im Handgepäck. Sie müssen diese dementsprechend auch nicht zwingend im Beutel für Flüssigkeiten transportieren.

Sie können also kühpflichtige Medikamente, wie etwa Insulin, auch außerhalb dieses Beutels befördern. Eine gute Möglichkeit, um Insulin zu befördern, bieten Ihnen beispielsweise die Reisetaschen von Frio, welche ganz ohne zusätzliches Kühlmittel funktionieren (Kühlung durch Verdunstung).

Wenn Sie die Kühlung Ihrer Spritzen doch eher mit einem Kühlmittel vornehmen möchten, dann dürfen Sie zu diesem Zwecke auch Kühlakkus verwenden. Lesen Sie dazu aber unbedingt unseren Beitrag „Kühlakkus: Ja, aber nur für Medikamente bitte!“denn der Transport von Kühlakkus ist im Handgepäck eigentlich verboten und nur dann erlaubt, wenn es sich um den Transport von kühlpflichtigen Medikamenten handelt.

Ein Transport von Insulin im Frachtraum des Flugzeuges ist generell nicht anzuraten, da Insulin seine Wirkung verliert, wenn es einfriert. Im Gepäckraum/Frachtraum kann es unter Umständen sehr kalt werden (im Normalfall sollte es zwar nicht zu kalt werden), doch um kein Risiko einzugehen, transportieren Sie Insulin besser im Handgepäck!

Ein Risiko beim Transport im Frachtraum besteht natürlich auch darin, dass diese Gepäckstücke in manchen Fällen auch erst verspätet ausgeliefert werden. So stehen Sie ev. am Reiseziel für gewisse Zeit (wenn Sie Pech haben für mehrere Tage!) ohne Ihre wichtigen Medikamente da. Gehen Sie dieses Risiko besser nicht ein!

 

Müssen Sie den Transport von Spritzen bei der Fluggesellschaft anmelden?

Je nachdem. Ich habe gerade heute mit Ryanair im Livechat gesprochen und da hieß es, dass man den Transport von Spritzen bei Ryanair vorrangig anmelden muss. Bei anderen Fluggesellschaft scheint dies allerdings nicht notwendig zu sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, treten Sie also am besten kurz mit Ihrer Fluggesellschaft in Kontakt und fragen Sie nach, ob eine frühzeitige Anmeldung erforderlich ist.

 

Anzahl an Spritzen und Zubehör?

Die Anzahl an Spritzen und Zubehör im Handgepäck ist an und für sich nicht begrenzt. Sie müssen aber für einen Transport von Spritzen (wie oben erwähnt) zwingend ein ärztliches Attest vorweisen können, welches klar darlegt, dass Sie auf die Spritzen während der Flugreise angewiesen sind.

Zudem ist es empfehlenswert, dass Sie ungefähr doppelt so viel Spritzen und Zubehör mit auf die Reise nehmen, als Sie eigentlich benötigen (aus Sicherheitsgründen!). Schauen Sie darauf, dass Sie nicht alles in einem Gepäckstück verstauen, das schränkt die Risiken im Verlustfall ein.

 

Planen Sie etwas mehr Zeit ein

Allgemein gilt, wer auf seiner Flugreise spezielle Gegenstände dabei hat, wie etwa Sport-/Spezialgepäck, Musikinstrumente oder vielleicht sogar einen Hund oder eine Katze, der sollte unbedingt etwas früher am Flughafen erscheinen.

Denn in diesen Fällen müssen Sie damit rechnen, dass diese „Gegenstände“ oder ihre kleinen pelzigen Freunde etwas genauer unter die Lupe genommen werden und das kostet Sie natürlich Zeit.

Das Gleiche gilt auch für den Transport von Spritzen. Eventuell müssen Sie hier beispielsweise das ärztliche Attest vorweisen und das kann Sie natürlich schon ein wenig Zeit kosten.

Wie bereits oben erwähnt, führen Sie das Attest am besten auch in englischer Sprache mit, denn so können Sie sicherstellen, dass das Sicherheitspersonal Ihr Attest auch zügig prüfen kann und so nicht noch mehr wertvolle Zeit deswegen verstreicht.

 

Medikamentenkauf / Kauf von Spritzen und Zubehör (im Ausland→ an Ihrem Reiseziel)

Sparen Sie nicht mit der Menge an Spritzen und Zubehör für Ihre Reise. Als Faustregel nehmen Sie hier besser doppelt so viel mit wie Sie eigentlich benötigen, denn die Beschaffung der Spritzen und dem notwendigen Zubehör kann sich je nach Reiseland vielleicht schwieriger gestalten, als Sie sich das vorgestellt haben.

Allgemein schlägt hier die Deutsche Apothekerzeitung vor, dass Sie sich ein paar zentrale Fragen betreffend die Beschaffung Ihrer benötigten Medikamente (auch für Spritzen und deren Wirkstoffe relevant!) im Ausland stellen, falls Sie dort vor Ort Nachschub kaufen/besorgen müssen:

  • Gibt es an Ihrem Zielort eine Rezeptflicht? Wie sieht die genau aus?
  • Ist ein Rezept aus Ihrem Land dort gültig, beziehungsweise verständlich (Sprache! Am besten Rezepte und Anleitungen immer (zusätzlich) in englischer Sprache mitführen!
  • Welchen Namen tragen die Medikamente im Zielland?
  • Erfolgt die Lagerung der von Ihnen gewünschten Medikamente im Zielland vorschriftsgemäß?
  • Wird das Ablaufdatum der Medikamente berücksichtigt?
  • Besteht im Zielland ein hohes Fälschungsrisiko für die von Ihnen benötigten Medikamente?

Ärztliches Attest: Dokumente/Formulare/Vorlagen zum Download

Für sämtliche Spritzen und Injektionsnadeln ist, wie mehrmals erwähnt, ein ärztliches Attest zwingend mitzuführen. Im Folgenden finden Sie Links direkt zu solchen Vorlagen für diese Atteste.

Wichtiger Hinweis

Bitte beachten Sie, dass es sich hier nur um Ratschläge in Sachen „Spritzen im Handgepäck“ handelt. Diese Ratschläge können selbstverständlich keine ärztliche Konsultation ersetzen und sind nur als Anhaltspunkte und Checkliste gedacht.