9 Tipps für den Transport von Musikinstrumenten im Flugzeug

Musikinstrumente an Bord

1. Im Voraus planen und die Guru-Liste konsultieren

Damit’s mit dem großen Konzert am anderen Ende der Welt auch wirklich klappt, muss auch in Sachen Transport von Musikinstrumenten einiges an Vorbereitungen und Denkarbeit geleistet werden. Eignet sich Ihr Instrument überhaupt für eine Flugreise? Ist das Instrument für einen Transport in der Kabine geeignet? Handelt es sich vielleicht um ein extrem kostbares Instrument, welches unter keinen Umständen zu Brüche gehen darf? Denn je nachdem ob es sich bei dem guten Stück um ein Banjo für 30 Euro aus dem Supermarkt oder eine Stradivari für Millionen von Euro handelt, gibt es verschiedene Möglichkeiten für den Transport Ihres Musikinstruments. Außerdem besteht bei vielen Fluggesellschaften Anmeldepflicht für Ihr Musikinstrument. Außerdem ist es leider auch bei Musikinstrumenten so, dass jede Fluggesellschaft ihr eigenes Süppchen kocht. Von internationalen „Transportstandards“ leider keine Spur. Zum Glück gibt’s da den Handgepäck-Guru, denn dieser hat für Sie die Bestimmungen aller großen EU-Airlines in Sachen Musikinstrumente an Bord (Kabine/Frachtraum) unter die Lupe genommen und die Beförderungsbedingungen auf einer einzigen Mega-Seite für Sie mühselig aufgearbeitet, zusammengefasst und in eine optisch ansprechende Form gebracht. Eine wahre Sisyphusarbeit – doch was tut man nicht alles, um seine treue Kundschaft (meine Leser) bestmöglich zu informieren. Hier ist sie also, die Seite mit all den schönen Infos zu Musikinstrumenten auf Flugreisen bei allen großen EU-Airlines

2. Kleine Instrumente in die Kabine gefällig

Bild zeigt eine silberne Flöte auf Musiknoten

Kleine Instrumente, wie etwa diese silberne Flöte, dürfen im Handgepäck verstaut werden, solange diese die maximal erlaubten Abmessungen für Handgepäck nicht überschreiten.

 

Kleine Instrumente, also wirklich kleine (z. B. kleine Flöten, Triangel, Ukulele, evtl. kleinere Geigen), dürfen bei allen Fluggesellschaften in die Kabine mitgebracht werden. Dabei gilt größtenteils die Faustregel, dass das Instrument in die Kabine gebracht werden kann, solange dieses samt Transport-Case die maximal erlaubten Abmessungen für das Handgepäck nicht überschreitet. Die erlaubten Maße für das Handgepäck sind aber leider nicht für jede Airline genau gleich, also müssen Sie auch hier vorsichtig sein und die erlaubten Maße für das Handgepäck bei der entsprechenden Airline überprüfen. Doch auch hier kann der Guru Abhilfe schaffen, denn er hat in einem schwachen Moment der scheinbar grenzenlosen Motivation eine Liste mit den Handgepäck-Bestimmungen für praktisch alle namhaften Airlines weltweit erstellt und dabei für jede Airline die maximal erlaubten Abmessungen für Ihr Handgepäck aufgelistet und weitere nützliche Infos zu persönlichen Gegenständen (teilweise auch kleines Handgepäckstück genannt), die bei der Airline XYZ zusätzlich an Bord gebracht werden dürfen (oder eben nicht) hinzugefügt.

Hier geht’s zur weltweit komplettesten Liste mit Handgepäck-Bestimmungen (Erlaubte Abmessungen & Gewicht & Persönliche Gegenstände) für alle namhaften Airlines auf diesem Planeten.

3. Einen Cello-Sitz bitte

Bld zeigt einen sitzenden Mann, der Cello spielt

Damit Celli in der Kabine transportiert werden dürfen, wird in der Kabine des Flugzeugs oft ein zusätzlicher Sitzplatz benötigt.

 

Hätten Sie gerne einen Cello-Sitz oder einen herkömmlichen Sitzplatz? Diese Frage ist gar nicht so absurd, wie sie auf den ersten Blick scheint! Denn viele Fluggesellschaften preisen für den Transport von größeren Musikinstrumenten einen speziellen Sitzplatz für ihr Musikinstrument an. Wie zuvorkommend… ähm….leider nicht wirklich. Denn ein solcher Sitzplatz kostet in der Regel praktisch genau so viel (wenn nicht gleich viel) wie ihr herkömmlicher Sitzplatz. Wieso aber nun Cello-Sitz? Der Name im Titel rührt daher, dass viele Fluggesellschaften explizit das Cello als Kandidat für einen zusätzlichen Sitplatz nennen. Dies liegt daran, dass das Cello zu groß ist, um als Handgepäckstück durchzugehen, offensichtlich aber als ideal angeschaut wird, um auf einem eigenen Sitzplatz mitzureisen, da es auf einem solchen aufgrund von seiner mittleren Größe gut befestigt werden kann. In etwa so. Die Buchung für einen solche mysteriösen Instrumentensitz kann in der Regel während der regulären Online-Buchung ihres Fluges (falls Sie über die offizielle Webseite der Fluggesellschaft buchen) vollzogen werden. Das funktioniert dann normalerweise so, dass Sie im Formular einen zusätzlichen Passagier – quasi als Platzhalter für Instrument – hinzufügen und diesem dann den speziellen Namen für Instrumente (je nach Airline unterschiedlich, teilweise Extra Seat genannt, teilweise Instrument als Vorname/Nachname, etc) geben, um als Instrumenten-, oder eben Cello-Sitz erkannt zu werden.

Für Cello-Spieler möchte ich bei dieser Gelegenheit übrigens noch eine Webseite teilen, auf die ich neulich in diesem Zusammenhang gestoßen bin: thecellopracticehelper.com

Unter diesem Link finden Sie ein Cello-Transport-101, welches ausführlich über die Beförderung von Celli an Bord berichtet.

4. Leider sind viele Fluggesellschaften Kontrabass

Bild zeigt die Rückseite eines Kontrabasses vor einer alten Mauer

Wer mit einem Kontrabass eine Flugreise antritt, der wird um den Transport seines geliebten Musikinstruments im Frachtraum der Maschine nicht herumkommen.

 

Kleiner Scherz am Rande, doch Musizierende mit Kontrabass haben es auf Flugreisen echt nicht leicht. Erstens können Sie ihren geliebten Kontrabass mit Sicherheit nicht in die Kabine bringen und zweitens gibt es bei vielen Airlines ein spezielles Prozedere für die Beförderung von Kontrabässen. So muss ein Kontrabass bei fast allen Fluggesellschaften im Voraus angemeldet werden. Andere Fluggesellschaften wiederum transportieren gar keine Kontrabässe. Also mehr Kontra geht wirklich nicht.

So muss auch hier nochmals auf die epische Musikinstrumenten-Alle-EU-Airlines-Liste verwiesen werden. Werfen Sie einen unbedingt einen Blick in die Liste und schauen Sie nach, wie Sie bei der entsprechenden Airline im Falle einer Kontrabass-Beförderung vorgehen müssen. Eins ist jedoch praktisch sicher: Sie können Ihren Kontrabass zu 99,9% nicht in der Kabine befördern. Ihr geliebter Kontrabass wird dementsprechend die Reise im Frachtraum/Gepäckraum antreten müssen, was uns zu Tipp 5 bringt.

5. Achtung beim Transport im Frachtraum

Frachtraum einer Cargolux 747

Bei größeren Musikinstrumenten bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die guten Stücke im Frachtraum des Flugzeugs zu befördern. Credit (Foto): Tis Meyer / Planepics

Bei größeren Musikinstrumenten, die in der Kabine nicht toleriert werden, bleibt Ihnen manchmal nichts anderes übrig, als das gute Stück im Frachtraum des Flugzeugs befördern zu lassen. Im Internet finden sich dazu einige Horror-Stories von Musikern, die ihr Musikinstrument auf diese Art und Weise transportieren ließen und dies dann bitter bereuen mussten, da sie ihr Instrument in kaputtem Zustand vorfanden. Das ist natürlich sehr bedauerlich. Allerdings ist ein Transport im Frachtraum in der Regel viel billiger als der Transport auf einem zusätzlichen Sitzplatz (Instrumenten/Cello-Sitz) und so müssen Sie halt vielleicht das Risiko eingehen…es ist ja nicht so, dass jedes fünfte Instrument beim Transport in die Brüche geht, oder so! Wenn Sie also das Risiko eingehen möchten, dann sollten Sie wenigstens dafür schauen, dass Sie dieses Risiko auf ein Minimum begrenzen. Und dies tun Sie, in dem Sie Tipp 6 befolgen.

6. Gut verpackt ist halb befördert

Bild zeigt vier Vintage-Gitarren-Koffer (Hard Case)

Musikinstrumente werden auf Flugreisen oft beschädigt. Eine gute, gepolsterte Verpackung ist demnach Pflicht.

 

Viele der herkömmlichen Transport-Cases eignen sich nicht für die Beförderung auf Flugreisen. Vor allem ein Transport im Frachtraum kann problematisch sein, da sich dort die klimatischen Verhältnisse zum Teil erheblich von den Temperaturen in der Kabine unterscheiden. Erkundigen Sie sich dementsprechend danach, ob der Transport in einem klimatisierten Bereich erfolgt oder nicht (im Gepäckraum/Frachtraum).

Beim Verpacken an und für sich ist darauf zu achten, dass die Musikinstrumente so wenig Bewegungsspielraum wie möglich haben und eine gute Polsterung besteht. Dies kann unter anderem mit Styropor und Noppenfolie erreicht werden.

Um Ihre Instrumente vor Sturzschäden zu schützen, können Sie beim Verpacken Folgendes versuchen (Fragen Sie vielleicht am besten zuerst ihre Fluggesellschaft an, ob das in Ordnung geht oder nicht … aber eine Überlegung ist es sicher wert!): Machen Sie beim Verpackungskarton oben einen kleinen Schlitz, damit der Griff des Instrumentenkoffers greifbar bleibt. So geben Sie dem Personal mindestens die Möglichkeit, mit Ihrem Instrument etwas sanfter umzugehen. Falls das nicht geht, können Sie vielleicht auch einen zusätzlichen Griff am Karton anbringen. Und noch etwas: Ein Soft-Case (z. B. für Ihre Gitarre) ist natürlich ein komplettes No-Go für den Transport im Frachtraum. Ein Hartschalenkoffer muss es also im Minimum sein!

Ein anderer Trick, den ich soeben in einem Musikerforum gefunden habe, besteht offenbar darin, dass man für den Transport des Instruments bewusst einen sehr großen und schweren Behälter auswählt, welcher vom Personal nicht „durch die Luft geschwungen“ werden kann. Zugegebenermaßen eine etwas extreme Maßnahme, die sich für einzelne Person mit einem einzigen Musikinstrument wohl eher weniger anbietet. Wenn es sich aber um ein ganzes Orchester handelt, das auf Flugreisen geht, dann wiederum könnte man diese Variante vielleicht in Betracht ziehen :=)

7. Rio-Palisander oder Elfenbein verbaut?

Bild zeigt eine Marimba (Xylophon-ähnliches Instrument), welches teilweise aus geschütztem Palisander-Holz besteht

Gewisse Holzarten, wie z. B. das verbaute Palisander-Holz in dieser Marimba, gehen unter den Artenschutz und können auf gewissen Strecken (z. B. bei Reisen in die USA) nicht ohne Weiteres befördert werden.

 

Wer eine Flugreise mit einem Instrument antritt, der muss viele Hürden überwinden. So viel sollte bei Punkt 7 nun schon klar sein. Aber wussten Sie auch, dass die erfolgreiche Beförderung Ihres Instruments auch aufgrund der verbauten Materialien scheitern könnten? Nun, jetzt wissen Sie’s!

Diverse Materialien (z. B. diverse Holzarten) fallen unter den Artenschutz und dies kann bei der Einfuhr (Zoll) für Probleme sorgen. Allerdings nur wenn Sie ausserhalb von Europa auf Reisen gehen

Problematisch sind dabei unter Anderem folgende Materialen:

  • Elfenbein –> z. B. in Klaviaturen und in Untersätteln und Intarsien von Streichinstrumenten sowie in Bogen
  • Fischbein
  • Walfischbein —> z. B. Wicklungen bei Bogen
  • Schildkrötenpanzer –> z. B. afrikanische Zupfinstrumente mit Klangkörper aus Schildkrötenpanzer
  • Schildpatt –> Mandolinen und andere Zupfinstrumente sowie Plektra aus Schildplatt
  • Rio-Palisander (Dalbergia nigra) –> z. B. in Gitarren, Flöten oder Geigenbögen zu finden
  • Macacauba-Holz —> z. B. in Marimbas, Xylophonen und Kastagnetten

Die vollständige Liste mit den geschützten Materialien umfasst allerdings noch ganz viele weitere Materialien und kann hier aus Platzgründen nicht vollumfänglich aufgeführt werden. Die Quintessenz, die Sie aus der ganzen Sache ziehen sollten, ist die, dass Sie, wenn Sie aussereuropäisch auf Reisen sind,  offizielle Dokumente vorweisen müssen, die genau dokumentieren, dass alle am Instrument verbauten Materialien unter den gültigen artenschutzrechtlichen Bestimmungen legal erworben und verarbeitet wurden.  So müssen Sie vorgehen:

  1. Lassen Sie eine Declaration of Materials anfertigen
  2. Falls keine Materialen verbaut sind (gemäß Resultat der Declaration of Materials!), dann holen Sie eine Negativbescheinigung ein, die bestätigt, dass Sie keine solchen unter den Artenschutz fallende Materialen in Ihrem Instrument verbaut haben
  3. Falls Ihr Instrument aber solche Materialien enthält, dann brauchen Sie eine sogennante CITES-Bescheinigung (CITES = Convention on International trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora

Für Reisen innerhalb der EU scheint es (momentan noch) nicht nötig zu sein, solche Dokumente zu (für den privaten Gebrauch) zu besitzen oder mit sich zu führen. Für Reisen in anderen Länder, wie z. B. in die USA, allerdings schon. Das Thema ist zu komplex, um im Rahmen dieses Beitrages genau darauf einzugehen. Weitere Infos dazu finden Sie hier:

  • Sinfonima Schauen Sie sich den Ratgeber an und beantragen Sie die digitale Broschüre für eine Auslandreise mit Musikinstrument unter [email protected]  | Die Broschüre ist Weltklasse und wird viele Ihrer Fragen beantworten, garantiert!
  • Beim Bundesamt für Naturschutz gibt es gute Infos zu den geschützten Holzarten (CITES Liste mit allen geschützten Holzarten)
  • Weitere gute Infos (auch für Reise in USA beispielsweise) finden Sie bei geigemacher.at

8. Eine Instrumenten-Versicherung abschließen

Für teure Musikinstrumente legen wir Ihnen eine Instrumentenversicherung ans Herzen. Eine solche Versicherung kann je nachdem sowohl für Schäden am Instrument wie auch am Zubehör aufkommen.

 

Sie haben per Zufall noch eine Stradivari Zuhause, die Sie gerne auf Ihre nächste Flugreise mitnehmen möchten? Dann würde ich Ihnen allerdings zu einer Instrumenten-Versicherung raten, denn so viel Vertrauen würde ich selbst meiner Lieblings-Airline nicht zukommen lassen. Lassen Sie also Ihr Musikinstrument bei einer Instrumenten-Versicherung versichern. Wenn es sich dabei um Ihr privates Musikinstrument handelt, dann sollten Sie Ausschau nach einer Versicherung halten, die Einzelpolicen anbietet. Falls Sie mit Ihrem Orchester unterwegs sind, dann könnte ein Gruppenvertrag für Sie das Richtige sein. Einzelpolicen werden allerdings von diversen Versicherungen gar nicht erst angeboten. Klären Sie also ab, ob diese Möglichkeit bei Ihrer Versicherung überhaupt besteht.

Des Weiteren sollten Sie beim Abschluss der Versicherung auf die gebotenen Leistungen und den Geltungsbedarf achten. Eine Versicherung, die nur in der Schweiz gültig ist, wird Ihnen nichts bringen, wenn Sie Ihre Harfe in Moskau in Einzelstücken vorfinden. Lesen Sie also den Vertrag aufmerksam durch und achten Sie auf alle Nuancen. Zubehör für Ihr Musikinstrument kann überdies in der Regel auch gleich mitversichert werden. Achten Sie also darauf, alles Zubehör im Versicherungsschein aufzuführen, damit dieses bei Beschädigung ebenfalls versichert ist.

9. Instrument auf Beschädigung kontrollieren

Bild zeigt eine beschädigte (zerbrochene) Gitarre

Ein beschädigtes Instrument sollte in jedem Falle sofort bei der Gepäckstelle gemeldet werden. Füllen Sie gleich dort ein Schadensformular aus.

 

Kontrollieren Sie Ihr Instrument noch am Flughafen. Am besten gleich nach dem Flug. Im Schadensfall kann es extrem wichtig sein, dass Sie diesen Schaden so schnell wie möglich melden. Melden Sie den Schaden bei der Gepäckermittlung. Verlangen Sie ein entsprechendes Schadensformular und dokumentieren Sie den Schaden (falls möglich) mit Bildern. Ein Schaden kann unter Umständen auch im Nachhinein reklamiert werden. Die gesetzliche Meldefrist liegt hier bei 7 Tagen. Allerdings haben Sie dann das Problem, dass sich die Beweislast im Prinzip umkehrt, und Sie beweisen müssen, dass sich der Schaden während der Flugreise ereignet hat. Nehmen Sie sich also besser die Zeit direkt am Flughafen und melden Sie den Schaden unverzüglich an! Und noch etwas: Falls Sie (schon) eine Instrumentenversicherung haben, dann melden Sie dies bitte der Instrumentenversicherung so rasch als möglich, denn diese wird sich dann dem Problem annehmen und unter Umständen direkt mit der Fluggesellschaft in Kontakt treten.

2 Comments

  1. Susanne Leuthner
    • webgo-admin

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